Der Kontakt mit Flüchtlingen in Degerloch und die Flüchtlingsarbeit aus der Sicht einer Realschülerin

Realschüler müssen im Rahmen der Schulausbildung ein Sozialpraktikum absolviern. Üblicherweise wird so etwas in einem Kindergarten oder in einer vergleichbaren Einrichtung abgeleistet. Doch die 15-jährige Evelin von der Fritz-Leonhardt Realschule hatte eine andere Idee: Sie hatte von den Flüchtlingen in Degerloch und vom Freundeskreis gehört und war neugierig geworden. Man könnte ja versuchen, ob man nicht auch ein Sozialpraktikum beim Freundeskreis z.B. im Kinderzimmer oder bei der Hausafgabenbetreuung machen kann um dabei auch mal hinter die Kulissen sehen zu können. Das könnte man dann mit dem vergleichen, was von den Klassenkameraden und im sonstigen Umfeld so über Flüchtlinge erzählt wird. Die Schule gab grünes Licht und wir waren beeindruckt von dem Mut und der Entschlossenheit der jungen Dame und haben auch einfach mal zugesagt. Es war ein Experiment, das sich gelohnt hat. Es war wirklich schön zu sehen, wie unvoreingenommen Evelin auf die Flüchtlingskinder zuging und wie schnell sie auch die ungewohntesten Situationen meisterte. In vielen Fällen war sie ein hilfreiches Bindeglied zwischen den erwachsenen Helfern und den Kindern. Und die wohl schönste Seite an der Sache war, dass sie bei der Gelegenheit auch gleich eine Freundin gewinnen konnte, ein gleichaltriges Mädchen aus Aleppo, deren Familie nun versucht, in der Helene-Pfleiderer-Strasse heimisch zu werden. Evelin wird dem syrischen Mädchen dabei helfen, selbstverständlich auch nach dem Praktikum. Ein ganz großes Lob an Evelin, für dieses vorbildhafte Stück an sehr wertvoller, jugendlicher Integrationsarbeit.

Hier sehr authentisch und emotional beschrieben, wie der Kontakt und die Arbeit mit Flüchtlingen durch die Augen einer Jugendlichen aussehen kann:

Bericht zum Sozialpraktikum beim Freundeskreis Degerlocher Flüchtlinge

von Evelin, Fritz-Leonhardt Realschule Degerloch

 

  1. Flüchtlingsheime

Ich habe mein Sozialpraktikum im Flüchtlingsheim auf der Waldau (Guts-Muths-Weg) und in Degerloch (Helene-Pfleiderer-Straße) geleistet.

Das Flüchtlingsheim auf der Waldau wurde vor einem Jahr gebaut. Die Entscheidung war zwischen einer neuen Sporthalle oder einer Unterkunft für Flüchtlinge, anschließend wurde von den Stadträten einstimmig für die Unterkunft gestimmt. Die Unterkunft besteht aus vielen kleinen Container, die mich auf den ersten Blick an Bauarbeitercontainer erinnern. An den weißen Wänden sind nur die Haus-Nummern zu sehen. Jeder dieser Container ist ein Zuhause für die Menschen, die vor Krieg oder Verfolgung aus ihren Heimatländern Syrien, Irak, Iran, Afghanistan und afrikanischen Ländern geflohen sind. In der Unterkunft können ca. 340 Flüchtlinge leben. Die Anzahl der Bewohner, bedingt durch Erst-Aufnahme und Verlegung in die Systembauten, schwankt sehr. In einem Container steht ein großer Tisch mit Stühlen, dies ist der Gemeinschaftsraum, der oft abgeschlossen wird. In einem anderen Raum steht die Gemeinschaftsküche aus Metall, die oft benutzt wird. Die Security Räume sind nur für kurze Zeit offen. Ebenfalls gibt es ein Kinderzimmer mit verschiedenen gespendeten Spielsachen. Die Bewohnerzimmer bestehen aus mehreren Metallbetten (Stockbetten), Metallschränken, einem kleinen Tisch und einem Kühlschrank. Die Toiletten und Duschen gehören zur allgemein Nutzung. Neben dem Container ist ein Spielplatz angelegt, der von morgens bis spät abends immer von den spielenden Kindern in verschiedenen Altersgruppen besetzt ist.

Neben dem Flüchtlingsheim auf der Waldau gibt es eins in Degerloch. Dieses besteht aus zwei Wohnblöcke mit zwei Stockwerken. Es beherbergt 156 Flüchtlinge. Zwischen den Häusern steht ein Gerüst mit einer Schaukel. Die einzelnen Zimmer sind viel größer als die von der Waldauer Unterkunft. Ein Zimmer besteht aus zwei Metallhochbetten, einem Schrank und einem Tisch. Es leben vier bis sechs Flüchtlinge in einem Zimmer, das die Größe meines Kinderzimmers hat, in dem ich alleine lebe. Im Gegensatz zu meiner Wohnung ist die Einrichtung im Heim sehr spärlich. Jeder Wohnblock hat nur sechs Toiletten, drei für Frauen und drei für Männer. In beiden Stockwerken ist jeweils eine Küche. In der Zeit als ich da war kochten immer mindestens vier Frauen gleichzeitig.

container systembaugang

Der „Freundeskreis Degerloch“ besteht aus 250 ehrenamtlichen Bürgern und Bürgerinnen jeden Alters, die in 13 Arbeitsgruppen unterteilt sind: das sind z.B. Gruppen für Sachspenden, Frauenzimmer oder Dolmetscher. Sie fördern die Integration der Flüchtlinge. Sie helfen den Flüchtlingen sich in Deutschland einzufinden und machen abwechslungsreiche Programme, damit diese wieder eine Chance auf ein glückliches Leben bekommen.

Bernd, der auch im Freundeskreis mitwirkt, war mein persönlicher Ansprechpartner und half mir dabei in verschiedenen Arbeitsgruppen teilzunehmen. In besonderen hat er mich dem Mädchen Alya vorgestellt. Ich weiß nicht, ob ich ohne ihn auch so viel über Flüchtlinge erfahren und eine Freundin gewonnen hätte.

 

  1. Sonntag, den 22. September –  Willkommensfest

Heute habe ich das erste Mal Flüchtlinge gesehen, auf einem Willkommensfest, in einer Sporthalle auf der Waldau neben dem Container. Ich höre seit einem Jahr sehr viel von den Flüchtlingen in Stuttgart: im Radio, Fernseher, Zeitungen und von den Freunden, doch bewusst bin ich davor noch nie einem Flüchtling begegnet. Sicherlich ist schon einer an mir vorbeigelaufen, doch habe ich ihm nicht wahrgenommen. Ein Flüchtlingsheim habe ich davor auch nicht gesehen, auch wenn ich vorbei lief – es ist so, als ob ich die ganze Zeit vor meinen Augen ein Schleier hatte, der alles verdeckt, was die Flüchtlinge angeht. Als ich heute mit meiner Mutter im Auto auf den Parkplatz vor dem Heim ankam – um 10:00 Uhr, hatte ich gemischte Gefühle: Teils habe ich mich über der Begegnung sehr gefreut, teils hatte ich aber auch Angst vor dem Unbekannten. Ich habe schon so viele negative Gerüchte über die Flüchtlinge gehört z.B. dass diese nur unsere Berufschancen vermindern würden, dass bei ihnen die Frauen nichts wert sind, dass Flüchtlinge sehr gewaltsam sind…. Im Gegenteil zu allen Gerüchten und sogar zur Meinung meiner Freunde, halte ich persönlich die Flüchtlinge für ganz normalen Menschen, die nach einer besseren Zukunft, in Deutschland, suchen. Ich respektiere sie als Teil unsere Gemeinschaft. Warum sollte ich denn auch schlecht über Flüchtlinge reden, wenn ich nichts selber über sie weiß oder nie Kontakt zu ihnen hatte? Doch ab heute wird sich alles ändern.

Ich habe mit Bernd das Treffen auf dem Fest ausgemacht, er möchte auch sehen, ob ich die Aufgabe gewachsen bin. Meine Mutter hat mich begleitet, es hat sehr lange gedauert bis wir das Fest gefunden haben. Da es geregnet hat, fand es in einer Sporthalle neben dem Heim statt.  Als wir in die Halle gingen fühlte ich mich unsicher, wie soll ich mich verhalten?  Die Halle war schon fast überfüllt. Überall saßen auf Tischbänken Menschen (Flüchtlinge, Freundeskreis und Neugierige) und unterhielten sich. Wir setzten uns auf eine Bank an der Wand und schauten zu, wie Flüchtlinge auf einer Bühne tanzten, tanzend erzählten sie eine Geschichte. Sie handelte von der Flucht nach Deutschland: sie formten ein Boot mit den Händen und stießen sich gegenseitig, danach ging es um Kampf fürs Überleben und Unterdrückung die Menschen, die eben „anders“ sind.

Jeder Teilnehmer vom Freundeskreis trug einen Sticker mit zwei Händen, so dass ich Bernd schnell finden konnte: er stellte mich verschiedene Leuten vor, auch einem Flüchtlingsmädchen, die etwa so alt ist wie ich – sie heißt Alya. Alya geht zur Schule und brauchte Hilfe mit ihren Hausaufgaben. Das Essensbüfett würde eröffnet und alle Menschen stürmten nach draußen. Ich musste etwa 30 Minuten, im Versuch das Essen zu ergattern, im Gedränge anstehen. Das hat sich gelohnt: das Essen war sehr lecker und die Menschen um mich herum waren freundlich und offen für die Gespräche. Mit Alya habe ich ein Termin am Mittwoch um 15:00 ausgemacht.

 

  1. Mittwoch, den 25. September

Heute war es soweit, ich werde mich das erste Mal mit einem Flüchtling treffen – dem Mädchen Alya.

Um 15:00 Uhr wartete ich vor dem Jugendhaus auf Alya, Voraus kommunizierte ich mit ihr auf WhatsApp, später bemerkte ich, dass ich nicht Alya, sondern ihrem Bruder ganze Zeit schreibe! Er sagte, dass es bei ihnen normal sei, dass er zuerst die Nachrichten liest und es dann weiter an seine Schwester leitet. Dann hoffte ich, dass er ihr gesagt hat, dass wir uns vor dem Jugendhaus treffen. Nach 15 Minuten Wartezeit habe ich begonnen zu zweifeln und rief ihn an. Er sagte er hat es vergessen ihr auszurichten und er gleich den Fehler korrigieren wird. Als sie nach 45 Minuten immer noch nicht kam, enttäuscht, bin mit dem Bus Richtung nach Hause gefahren. Im Bus bekam ich den Anruf und er fragte mich wo ich war, da sie schon vorm Jugendhaus warteten! Ganz schön verärgert bin ich sofort ausgestiegen und bin schnell zwei Busstationen zu Fuß zurückgelaufen. Nach 15 Minuten war ich da. Alya und ihr Bruder warteten auf mich, sie meinten, dass ich lieber zu ihnen ins Heim mitkommen sollte. Eigentlich hat Bernd mich gewarnt nicht alleine ins Heim zugehen, aber in dem Moment war ich nicht alleine und wollte nicht unhöflich wirken. Das Heim liegt direkt neben dem Jugendhaus. Wie kann es sein das ich nichts davon wusste? Ich verbringe fast jeden Freitag im Jugendhaus mit meinen Freunden, aber ich habe noch nie mitbekommen, dass direkt daneben ein Flüchtlingsheim liegt, niemand hat je in meiner Anwesenheit darüber gesprochen. Wie kann man nur so ein Heim übersehen?  Als ich hinter Alya ins Heim lief, bemerkte ich, dass es hier genauso seltsam roch wie am Sonntag auf dem Fest. Sie lief in einen Raum worin nur Stühle mit einem Tisch standen. Ich war angespannt vor Aufregung und Angst ohne Helfer im Heim zu sein. Alya und ihr Bruder holten ihre Schulsachen und breiteten dies auf dem Tisch aus. Alya hatte sechs Seiten Hausaufgaben auf, sie saß fast 3 Stunden daran. Doch bevor sie sich um die Hausaufgaben kümmerten kochte Alya für mich das Essen: Reis mit einem Joghurt Dip und Cappuccino. Ich aß mit Alya mit einem Teig, der als Besteck diente, aus demselben Teller. Später hat mir Alya erklärt, dass jeweils alle Mädchen bzw. Frauen aus einem und alle Männer aus einem anderen Teller essen. Dann widmete sie sich den Hausis zu, ich war daneben und kontrollierte ihre Hausaufgaben. Ihre Ergebnisse waren fast immer richtig. Etwas das mich zum Stutzen brachte war, dass Alyas Bruder, der 10 Jahre alt ist wie seine 14 Jahre alte Schwester Alya bereits in die 9. Klasse ging. Alle Hausaufgaben handelten von deutscher Grammatik. Gegen 18:00 Uhr habe ich sie zum Eis essen eingeladen. Um 19 Uhr bin ich wieder nach Hause gefahren.

Ich habe heute nicht sehr viele Flüchtlinge gesehen da ich mit Alya und ihrem Bruder die meiste Zeit in einem Raum saß. Trotzdem freute es mich sehr, dass ich heute einen Flüchtling näher kennen gelernt habe. Alya kann gut Deutsch sprechen, besonders erstaunlich, wenn man daran denkt, dass sie erst seit 1 Jahr in Deutschland ist. Ich glaube, dass ich nicht so schnell eine fremde Sprache lernen könnte. Nächste Woche Donnerstag werde ich wiederkommen.

 

  1. Freitag, den 23.September

gemraum

Heute bin ich um 15 Uhr zur Waldau gefahren. Als ich bei den Containern ankam wusste ich nicht wo die Freitags-Spielgruppe stattfindet. Deshalb wollte ich zum Security Raum, aber dieser war nicht besetzt. Da ich komplett orientierungslos zwischen vielen weißen Containern stand, habe ich zwei Flüchtlingskinder gefragt. Diese waren sehr offen und haben mir erklärt, dass es in einem Kinderzimmer stattfindet. Als die Kinder mir den Container gezeigt haben, bemerkte ich, dass noch keiner da war und die Tür geschlossen war. Obwohl es schon stattfinden sollte. Als wir wieder nach draußen liefen, rannten die Kinder zu zwei Frauen. Erleichtert habe ich sie als die Freitagsgruppe Leitung erkannt. Sie hatten vor, wegen dem schönen Wetter, die Spielgruppe draußen zu organisieren. Es kamen noch mehr Kinder, als wir hinter den Containern verschiedene Brettspiele, Springseile und Säcke für Sackhüpfen ausbreiteten. Die Kinder waren alle von 3-11 Jahre alt und wirkten alle sehr glücklich und wie sie über verschiedene Dinge lachten! Mithilfe einer Frau habe ich ein großes Seil geschwungen, wobei die Kinder gefallen dran fanden und sich in einer Reihe aufstellten um zu springen. Das was mich an meisten bewundert hat war ein drei Jähriger Junge der es geschafft hat 20mal über das Seil zu springen während es ältere Kinder nicht schafften. Später bin ich noch zu dem Tisch rüber gegangen indem Brettspiele gespielt wurden. Die meisten Kinder versuchten die meiste Zeit auf Deutsch zu reden was sie auch schon gut beherrschten. Ich habe gedacht, dass die meisten Kinder traumatisiert waren und sehr leise, stattdessen waren alle sehr offen mir gegenüber, haben gelacht und gespielt, viele Witze gemacht und mich sehr warmherzig aufgenommen. Ich habe zuvor noch nie so glückliche Kinder gesehen. Das habe ich an allerwenigsten erwartet. Die zwei Stunden vergingen sehr schnell. Zum Abschied haben wir auf der Wiese neben den Containern ein Abschiedskreis gemacht und ein Abschiedslied gesungen. Der heutige Tag hat mir wieder gezeigt, dass Flüchtlingskinder nicht verschlossen sind, sondern offen und sehr glücklich.

 

  1. Samstag, den 24. September

Um 9:45 kam ich mit meiner Mutter in der Waldau an. Wie mit Bernd ausgemacht, werden wir Flüchtlinge auf den Kinderbasar im Waldheim Weidachtal begleiten und ihnen helfen zu verhandeln. Eigentlich hatten wir vor, um 9:45 Uhr mit Flüchtlingsmüttern loszugehen aber wir standen ganz alleine da. Deshalb warteten wir noch 20 min. Endlich kamen 5 ältere Flüchtlingsmütter mit Kopftüchern und Kinderwägen. Als keiner mehr kam ist Bernd mit einer anderen Helferin und den Flüchtlingsfrauen zur Bahnhaltestelle gelaufen. Ich bin bei meiner Mutter geblieben und wir warteten noch ein bisschen… bis jemand kommt, den wir mit dem Auto mitnehmen können. Als wir so am Auto standen und warteten, kamen sechs weitere und immer mehr und mehr… alle wollten unbedingt mit dem Auto mitfahren. Doch wir konnten nicht alle mitnehmen, deshalb habe ich Bernd angerufen und ihn gebeten wieder zu kommen. Er kam nach schnellen 2 Minuten wieder. Ich bin dann doch mit der Bahn gefahren, sodass noch eine Person mehr mit dem Auto fahren konnte. Für mich ist das doch nichts besonders.  In der Bahn haben uns die anderen Passagiere sehr seltsam angeschaut als wir mit den Müttern eingestiegen sind. Die Fahrt bis zum Waldheim hat fast 30 Minuten gedauert. Als wir im Waldheim ankamen bin ich mit einer Mutter und ihrem Sohn gelaufen. Es hat sehr lange gedauert bis wir passende Kleidung gefunden haben. Ich habe bei den Käufen versucht so weit wie möglich den Preis zu senken, doch vielen war es egal, dass die Flüchtlinge sehr wenig Geld haben und wollten ihre Preise nicht extra senken. Wie ich später erfahren habe bekommen Flüchtlinge nur ca. 200-300 Euro im Monat. Da überlegt man es sich zwei Mal, ob man Gummistiefel für drei Euro kauft. Die Mamas haben das Geld unter sich geteilt: wenn jemand kein Geld mehr hatte kommt jemand und gibt ihnen ein paar Euro. Das ist so unglaublich sozial, dass jemand der kaum Geld für sich hat, trotzdem jemanden hilft. Bei diesem Gedanken bekomme ich gleich Schuldgefühle. Ich habe nicht so wenig Geld wie sie zur Verfügung und habe auch so viele Dinge zu Hause und die Flüchtlinge kaum etwas und trotzdem geben sie einander Geld. Als ich das gesehen habe kam es mir die Welt so ungerecht vor, warum gib es auf dieser Welt so viele arme Menschen? Nach den Erfahrungen die ich hatte, ist mir aufgefallen, dass die reichen Menschen alle egoistisch sind: sie leben in teuren Villen, fahren teure Autos und manche haben Duschen aus puren Gold doch egal was sie alles haben, sie werden nie richtig glücklich. Nebendran sind die armen Menschen die im winzigen Zimmer wohnen und eigentlich nix haben doch trotzdem alles.

Die Flüchtlinge sind die sozialsten Menschen die ich je begegnet bin, sie helfen sich gegenseitig. Sie lachen und tanzen, sie sind offen für alles und jeden. Sie haben das was reiche nicht haben sie haben die Menschlichkeit. Es hat mir viel Spaß gemacht zu verhandeln. Als sich der Kinderbasar dem Ende nahte, hat meine Mutter und Bernd viele Verkäufer gefragt ob sie die unverkaufte Kleidung spenden wollen, doch nur eine Person hat ihre Kleidung gespendet. Was für eine Welt! Später haben viele Flüchtlingsmütter Pommes an einem Kiosk gekauft. Ich habe einer Mutter mit der ich gelaufen bin, Pommes spendiert. Woraufhin sie diese wiederum weiter verteilte, sodass jeder Flüchtling etwas abbekam. Alle Einkäufe wurden ins Auto gelegt damit man sie nicht mitschleppen mussten. Die Rückfahrt dauerte etwas länger als die Hinfahrt, da einem Flüchtlingsjungen im Auto schlecht geworden ist. Er meinte er sei noch nie in einem Auto gefahren ist. Wir kamen ca. um 13:30 Uhr in der Waldau zurück. Ich war so froh, heute dabei zu sein.

 

  1. Mittwoch, den 28.September

Heute bin ich um 15 Uhr zur Waldau gefahren. Ich werde heute zu einer Malgruppe mit Flüchtlingskinder gehen. Da mir am Freitag Kinder gezeigt haben wo das Kinderzimmer ist, hatte ich keine Probleme es zu finden. Heute war das Kinderzimmer offen. Ein paar Kinder die ich schon kannte und ein älterer Mann waren schon drinnen. Der Mann sagte mir dass er Klaus heißt. Als noch ein paar Kinder gekommen sind haben wir angefangen zu tonen. Die Kinder neben mir waren dabei glücklich und tonten viele Tiere aus dem Zoo: Schlangen, Hasen, Elefanten…sind dabei entstanden. Ich habe eine Taube und ein Baum getont, die ich dann dem Mädchen das neben mir saß schenkte. Es kamen immer mehr Kinder, irgendwann kam eine sehr junge Mutter die ihren ca. 1 Jahr alten Sohn auf einen Stuhl gesetzt hat und erst wieder in einer Stunde abholte. Die Kinder hatten Spaß daran jeden ihre getonten Tiere zu zeigen, sie waren sehr stolz auf ihre Arbeit. Ich finde es sehr gut, eine Chance den Kindern zu geben, sich von ihrer Vergangenheit abzulenken. Jedes einzelne Kind im Heim ist sehr selbstständig, es geht alleine den ganzen Tag raus. Ich verstehe mich immer besser mit den Kindern. Wie können Menschen die keine Ahnung haben, nur so schlechte Gerüchte über Flüchtlinge weitererzählen? Diese Kinder sind sehr liebenswürdig, sie haben es nicht verdient, dass man schlecht über sie redet. Um 16:30 Uhr bin ich wieder Nachhause gegangen.

tonen

  1. Donnerstag, den 29. September

Heute habe ich an der Bushaltestelle auf Alya gewartet, ich habe mich sehr gefreut sie wieder zu sehen. Doch als sie nach 20 Minuten nicht gekommen ist, bin ich leicht verärgert zum Flüchtlingsheim gelaufen. Sie halten sich wirklich nie an Vereinbarungen, deshalb werde ich jetzt keine Termine mit ihr mehr machen, sondern einfach mal vorbeikommen und schauen ob sie da ist. Als ich zu ihrer Wohnung gelaufen bin, haben mich alle freundlich mit „Hello“ begrüßt. Ich finde es immer wieder schön die Kinder vor dem Heim zu sehen, wie sie zusammen spielen. Zum Glück war Alyas Mutter zu Hause, die aber kein Deutsch kann. Mir ist aufgefallen, dass Kinder offensichtlich viel leichter Deutsch lernen als Erwachsene. Sie hat mir aufgemacht und Alya gerufen. Sie kam kurz danach und meinte unsere Verabredung vergessen zu haben. Später kam noch Alyas Vater dazu und zeigte mir in einem Karton, unter dem Metallhochbett, einen winzigen Baby Feldhasen. Dazu zeigte er mir ein Video auf seinem Samsung Handy von dem Hasen, wie er im Gras lag und Blut spuckte. Sofort bekam ich Mitleid und überredete ihn den Hasen mit nach Hause zunehmen und zu versorgen. Nachdem ich den Hasen bei mir abgesetzt und Wasser durch eine Spritze gegeben habe, dachte ich: morgen fahren wir mit ihm zum Tierarzt.

Ich habe Alya mein Zuhause (sie fand das Hochhaus sehr schön) und meinen Garten mit den Hühnern gezeigt. Wir saßen auf dem Trampolin und redeten. Sie erzählte, dass sie aus Aleppo kommen und dort ein Haus hatten mit einem riesigen Garten indem ein eingebauter Pool war. Sie erzählte mir über die Flucht nach Deutschland. Sie wurden in Aleppo bedroht von der IS sie erzählte, dass sie ihnen verboten hatten sich zu rasieren und zu beten, daraufhin ist sie mit ihren Eltern, beiden Brüdern und ihrer zwei jährigen Schwester geflohen. Sie sagte das es bis hierher acht Monate gedauert hat: sie sind mit dem Auto und dem Schlauchboot gekommen.  Später erzählte sie mir, dass es in ihrer Kultur üblich ist, einen Freund zu haben, sie war schockiert als ich ihr sagte, dass ich noch keinen habe. Abends habe ich sie nach Hause gebracht und ihre Eltern haben mich zum Essen eingeladen. Sie benutzten Teiggebäck als Besteck.

Der Tag heute hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe eine gute Freundin gefunden.

 

  1. Samstag, den 1. und Freitag, den 14. Oktober

Ich war noch zwei Mal bei der Spielgruppe am Freitag. Ich lerne die fröhlichen Kinder immer besser kennen. Alle grüßen mich wenn zur Waldau komme. Ich freue mich immer wieder wenn ich die Kinder sehe und sie sich auch. Ich kann mir nicht vorstellen was sie schon alles erlebt haben, doch trotz allem, sind die Kinder immer offen für neues. Jedes Mal freuen sich die Kinder, wenn sie wieder Brettspiele spielen können und Seil springen. Ich gehe immer gerne zu ihnen. Mir ist aufgefallen das die Kleinkinder einfach zu jemanden anderen übergeben werden, einmal ist ein 10-jähriges Mädchen auf mich zu gekommen mit einem Tragetuch indem ein ca. 5 Monate altes Baby war. Sie sagte, dass deren Mutter es ihr gegeben habe, weil sie einkaufen gegangen war. Was für ein unglaubliches Vertrauen sie einander haben, dass sie sich die kleinen Kinder gegenseitig anvertrauen. Jedes Mal, wenn ich ins Heim komme, sind viele Kinder auf dem kleinen Spielplatz und die Eltern sitzen auf den Bänken neben den Containern. Ich habe dort jemand gefragt, ob er weiß wo ein Flüchtlings Junge ist und er konnte mir sofort sagen, wo er sich befand. Sie kennen sich untereinander sehr gut. Die Kinder zeigen mir immer stolz deren Spielsachen z.B. Skateboards, neue Fahrräder, Puppen… Im Flüchtlingsheim befinden sich sehr viele Fahrräder, ich glaube, dass jedes Kind dort ein Fahrrad hat.

 

  1. Mittwoch, den 5. Oktober

Heute ging ich um 15 Uhr wieder zur Waldau. Als ich im Heim ankam sah ich viele Kinder auf dem Spielplatz.  Da ich 15 Minuten zu früh kam, habe ich noch mit den Kindern Bilder in den Sand gemalt. Die Kinder haben sich selbst gemalt und ein kleines Mädchen hat von sich im Erwachsenenalter ein wunderschönes Bild gemalt – ich halte sie für eine gute Malerin.

Danach kamen sie auf eine Idee Verstecke zu spielen, da konnte ich nicht anders als mitzuspielen. Doch nach einer Zeit wurde es allen langweilig, Betreuer des Kinderzimmers waren nicht in der Sicht. Ich habe mich entschlossen alleine den Schlüssel zu holen und mit den Kindern ins Kinderzimmer zu gehen – ich schaffe es auch alleine. Im Kinderzimmer sind gleich alle Kinder zu den Regalen gerannt und haben Spiele und Papier rausgeholt. An meine Regeln hat sich keiner gehalten.  Es gab ein ziemliches Durcheinander und ein riesen Chaos: auf den Boden lagen überall Papiere und Spiele, so dass alle Schwierigkeit hatten zu laufen ohne auf irgendetwas zu stolpern. Als die Jungs und die Mädchen zusammen verschiedene Spiele gespielt haben, kam eine Mutter zu mir und hat ihr winziges Baby auf meinen Schoß gesetzt und ist gegangen. Als sie gegangen ist, hat der Kleine sofort begonnen auf mich zu spucken und Lego Steine in den Mund zu schieben. Ich war restlos überfordert, zum Glück kam der Bruder von dem Kleinen und hat ihn wieder nach Hause gebracht. Um 17 Uhr habe ich versucht die Kinder zum Aufräumen zu bewegen, aber sie taten nix dergleichen. Deshalb habe ich jeden aus dem Container rausgetrieben. Es war schwierig die Ordnung wieder hin zu bekommen, aber mit der Hilfe eines Mädchens, habe ich es dann doch noch ganz schön genervt geschafft. Danach bin ich noch zu Alya nach Degerloch gefahren und war mit ihr im Jugendhaus- basteln.

 

  1. Samstag, den 8. Oktober

Heute bin ich mit meiner Mutter wieder zum Kinderbasar mit den Flüchtlingen gegangen. Doch heute kam nicht nur Bernd, sondern auch andere drei Frauen zum Helfen. Wie letztes Mal mussten wir ziemlich lange warten bis Mütter gekommen waren, doch dieses Mal kamen mit mir noch ca. 15 Kinder mit. Der Kinderbasar war nicht mehr im Waldheim, sondern in der Waldschule. Es liegt direkt neben dem Heim. Als wir ankamen, gab es ein ziemliches Durcheinander, da alle Kinder gleich zu den Spielsachenständen gerannt sind. Es hat etwas gedauert bis jedes Kind verstanden hat, dass man die Sachen kaufen muss und nicht geschenkt bekommt. Ich bin zusammen mit einer Mutter gelaufen, die eine Hose für ihren Sohn kaufen wollte. Doch leider war die Kleidung nur für kleinere Kinder als ihr Sohn, deshalb musste sie mit leeren Händen wieder zurück. Den Kindern habe ich noch Autos von meinem Taschengeld gekauft. Wir waren insgesamt fast drei Stunden auf dem Basar.

Mein Praktikum im Flüchtlingsheim hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich konnte sehr viel über andere Kulturen lernen: wie man isst, wie man im Islam bettet und vieles mehr. Durch die Zeit mit Alya hatte ich ein Einblick in ihr Leben geworfen, ich sehe, dass sie sehr glücklich ist und alle Einwohner im Heim ihre Freunde sind. Ihre Familie ist sehr freundlich zu mir und kochen immer für mich auch, wenn ich auch nur kurz bei ihnen bin. Ich habe mich mit Alya angefreundet und schon sehr oft was mit ihr was unternommen, auch nicht im Rahmen meines Praktikums: ich war mit ihr und ihren Eltern im Tierladen und im Esslingen. Ich werde mich öfter weiterhin mit Alya treffen. Wenn ich die Chance hätte, würde ich gerne noch einmal Praktikum im Flüchtlingsheim machen. Ich habe erfahren, dass die meisten Gerüchte über Flüchtlinge nicht stimmen. In deren Kultur bleiben eben Frauen unter Frauen und Männer unter Männer.

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