Muhammad (Name geändert)

22, Syrer

Im folgenden Interview sind alle Angaben geändert, weil Muhammad, 22 Jahre (Name und Alter geändert), ein Syrer, offen zugibt, aus wirtschaftlichen Gründen geflohen zu sein. Auch die Vertreter der Behörde haben das erkannt (wie aus dem Protokoll des Interviews bei der Behörde klar hervorgeht), haben aber ein Jahr Subsidiarschutz zugestanden, der Anfang nächsten Jahres ausläuft.

Muhammad hat in der Heimat einen Ausbildungsberuf gelernt, möchte aber in Deutschland einen anderen Beruf ausüben. Er hat auch schon bei einem Betrieb in Deutschland ein Praktikum gemacht, hat ein hervorragendes Zeugnis bekommen und der Betrieb ist bereit, ihn als Auszubildenden einzustellen. Er ist sehr freundlich, höflich und humorvoll. Er spricht ein passables Deutsch, besucht aber einen Deutschkurs und möchte sein Deutsch noch deutlich verbessern.

Muhammad hofft, dass er aufgrund dieser Ausbildung dann einen längeren Aufenthaltsstatus bekommt und endlich eine eigene Wohnung findet, weil ihm die Bedingungen im Wohnheim nicht gefallen – zu wenig Platz, zu viel Kinderlärm, zu wenig Privatsphäre.

Muhammad gehört zu einer großen Familie mit insgesamt sieben Geschwistern (Zahl geändert, aber es sind viele …). Drei der Geschwister sind über die Balkanroute nach Deutschland gekommen, die Eltern und die anderen Geschwister leben in einem Flüchtlingslager in einem anderen Nahost-Staat, der Syrien-Flüchtlinge aufgenommen hat.

Geflohen ist  die Familie, weil im derzeitigen Syrien auch in den Zonen, wo nicht gekämpft wird – und aus einer solchen Zone kommt die Familie –, es zunehmend schwieriger wird, eine wirtschaftlich stabile Existenz zu sichern. Politisch verfolgt wurden sie nicht.

Die drei ältesten Kinder sind schon 2003 aus der Heimat nach Damaskus gegangen, um dort in die Lehre zu gehen. 2009 ist dann auch der Vater, der als Bauarbeiter in seiner Heimat keine ausreichenden Verdienstmöglichkeiten mehr gefunden hatte, mit der Familie nach Damaskus gezogen, weil er dort Arbeit bekommen hat und die große Familie ernähren konnte. Als dann 2011 der Krieg ausbrach, ist er wieder zurück in die Heimat, hat aber wiederum keine Arbeit gefunden und so haben die Eltern 2013 beschlossen, mit den vier jüngeren Kindern in ein Flüchtlingslager in einem Nachbarstaat zu fliehen. Das Lager besteht aus großen Zelten mit ca. 20 bis 30 Bewohnern mit extrem schwierigen sanitären Verhältnissen (das Abwasser fließt in stinkenden offenen Rinnen zwischen den Zelten hindurch), im Sommer ist es unerträglich heiß, im Winter extrem kalt. Auch die Versorgung mit Essen ist schlecht. Muhammad: „Die Zustände sind unerträglich.“ Muhammad hat dazu entsprechende Bilder vom Lager gezeigt.

Daher sind die drei älteren Geschwister im Winter 2015 nicht zu den Eltern ins Flüchtlingslager, sondern von Damaskus über die Balkanroute nach Deutschland geflohen. Die Eltern und die jüngeren Geschwister sitzen immer noch – seit jetzt schon vier Jahren – in dem Zeltlager im nahen Osten fest. Sie kennen die hiesigen Bedingungen durch Bilder und Beschreibungen von Muhammad und gemeinsam überlegen sie verzweifelt, wie auch der Rest der Familie den Weg nach Deutschland finden könnte.