Muhammad Noureddin

Syrer, 22 Jahre

Muhammad ist ein sehr höflicher, aufmerksamer junger Mann, der allerdings noch große Probleme mit der deutschen Sprache hat. An einigen Stellen brauchten wir Hilfe von Amr, dem Heimleiter, der fließend arabisch und deutsch spricht.

Muhammad hat in Damaskus an der Universität Jura studiert, aber als sein Einberufungsbefehl zur syrischen Regierungsarmee kam und er gegen seine Landsleute kämpfen sollte, ist er geflohen. Diese Situation wird in Deutschland als Aufnahmegrund für eine dreijährige Duldung akzeptiert.

Seine Eltern leben mit drei seiner Schwestern und einem Bruder weiter in einer Mietwohnung im Zentrum von Damaskus, seitdem ihr eigenes Haus in einem Vorort von Damaskus bei Kämpfen zerstört wurde. Einer seiner Brüder ist nach Jordanien geflohen.

Muhammad konnte sich für seine Flucht einer Tante, deren Mann und zwei Söhnen anschließen, von denen einer mit seiner Frau geflohen ist. Diese kleine Gruppe von sechs Personen hat sämtliche Stationen der Flucht nach Deutschland gut überstanden. Einer der Söhne hat mit seiner Frau inzwischen ein kleines Baby. Die Tante hat noch eine 22-jährige Tochter, die schon seit zwei Jahren in Deutschland lebt und in Degerloch eine Ein-Zimmer-Wohnung hat.

Die Flucht selbst ist relativ unspektakulär verlaufen: Zunächst ging es mit dem Auto in den Libanon, von dort für 200 Dollar pro Person mit einem normalen Passagierschiff in die Türkei, weiter für 1.000 Dollar pro Kopf mit Schleppern nach Griechenland und von dort über die Balkanroute über Slowenien und Österreich, teils zu Fuß, mit Bussen oder Bahn schließlich nach München, wo sie im November 2015 ankamen. Unterwegs haben sie des Öfteren gefroren und Hunger gehabt, aber an jeder Grenze hat das Rote Kreuz mit Kleidung und Nahrung zuverlässig und wohlorganisiert ausgeholfen. Die Balkanroute haben sie in einer größeren Gruppe von etwa 40 Personen absolviert.

Von München aus kam die Sechser-Gruppe zunächst nach Karlsruhe und dann relativ rasch in eine Drei-Zimmer-Wohnung nach Botnang. Seit November dieses Jahres sind sie in der Helene-Pfleiderer-Straße: Die Tante und ihr Mann in einem Zimmer, der Sohn mit Frau und Tochter in einem anderen Zimmer; Muhammad lebt mit dem zweiten Cousin in einem weiteren Zimmer.

Nachdem Muhammad im Sommer 2016 seine Anerkennung bekommen hatte, hat er in Botnang zwei Monate einen Integrationskurs besucht und seit er in Degerloch ist, geht er viermal die Woche zur VHS in einen Deutschkurs zusammen mit Kurden, Türken, Iranern und anderen arabisch-stämmigen Personen.

Ihm gefalle es in Deutschland gut, weil er „ok“ wohne und vor allem, weil es hier sicher sei. Als Wichtigstes sieht er an, dass er jetzt schnell Deutsch lernt – und vielleicht kann er dann ja auch hier sein Studium fortsetzen.

Was ist anders/besser/schlechter in Deutschland als in Syrien?

Muhammad findet nahezu alles besser hier in Deutschland, vor allem, dass jeder Respekt vor dem anderen habe, selbst die Mitarbeiter in den Behörden. Was er besonders hervorheben will: Auch die Frauen genießen hier den gleichen Respekt wie die Männer. In Syrien gebe es so manchen, der das nicht so sehe. Lediglich das Wetter könnte besser sein. In Syrien sei es nicht so kalt.